Um was soll man im Gebet bitten?

Diese Frage stellte ich mir selbst oft. Wie das so ist, kommen die Antworten zu einem meistens auf einem anderem Wege, als man es erwartet. Und doch beantworten sie unsere Fragen am besten. Damals war diese gefundene Geschichte meine Antworten. Heute gebe ich es gern weiter:

Ein paar Freunde besuchten einen Mann.

 

»Wir möchten, dass du uns lehrst, was du in all den Jahren deines Lebens gelernt hast«, sagte einer von ihnen.

 

»Ich bin ein alter Mann«, antwortete der Gastgeber.


»Alt und weise«, sagte ein anderer Gast.

 

»Wir sehen, dass du die ganze Zeit betest. Worüber sprichst du mit Gott? Um welche wichtigen Dinge sollten wir ihn bitten? «

Der Mann lächelte.

 

»Zuerst hatte ich eine jugendliche Begeisterung, die mich an das Unmögliche glauben lässt. Also kniete ich mich vor Gott nieder und bat ihn, mir die Kraft zu geben, die Menschheit zu verändern. Mit der Zeit wurde mir klar, dass diese Aufgabe meine Stärken überstieg, und ich bat Gott, mir zu helfen, meine Umgebung zu verändern. «

 

»Du warst dir sicher, dass deine Anfragen gehört wurden«, sagte einer seiner Freunde. »Dein Beispiel hat vielen Menschen geholfen. «

 

»Ich habe vielleicht vielen Menschen geholfen, aber ich weiß, dass es nicht das richtige Gebet war. Erst jetzt, am Ende meines Lebens, habe ich verstanden, was ich von Anfang an fragen sollte. «

 

»Um was solltest du bitten? «

 

»Lass mich, mich ändern. «

 

Das vergessene Gebet

 

Als der Autor eines Tages durch die Straßen von São Paulo ging, traf er einen alten Freund Edinho und bekam von ihm eine Broschüre mit dem Namen ›Instante Sagrado‹, was ›heiliger Moment‹ bedeutet, in die Hand gedrückt.

In vier Farben auf feinem Papier gedruckt, predigte sie nicht die Lehre einer Kirche, keine Religion ... Es war nur ein Gebet.

Zu seiner Überraschung sah er unter dem Text seine eigene Unterschrift! Zum ersten Mal wurde dieses Gebet Anfang der achtziger Jahre auf der Rückseite eines Gedichtsbandes veröffentlicht. Er nahm nicht an, dass es die Zeit überdauerte (oder, dass es auf so überraschende Weise zu seinen Händen zurückkehren würde), aber als er es las, entschied er, dass ich er sich seiner nicht schämen musste. Erstens, weil er sein Autor war und zweitens, weil er an Zeichen glaube. Er entschied, es in seiner Gesamtheit zu zitieren, in der Hoffnung, dass dies andere dazu ermutigen wird, ihre eigenen Gebete zu schreiben. In den Gebeten sollten sie um sich selbst oder um andere bitten, um das, was ihnen am wichtigsten erschien.

Dank dessen werden wir unsere Herzen in positive Schwingungen versetzen, die wir dann an alles weitergeben, was uns umgibt.

 

Und hier ist das Gebet:

 

[…]

» Gott unser Herr, schütze unsere Zweifel, denn Zweifel sind eine Art Gebet. Es ermöglicht uns, erwachsen zu werden, und lässt uns furchtlos nach verschiedenen Antworten auf dieselbe Frage suchen. Um dies zu ermöglichen, Herr, schütze unsere Entscheidungen, denn die Entschlossenheit ist eine Art Gebet.

Gib uns den Mut, unsere Zweifel zu verstehen und den richtigen Weg zu wählen. Dass unser JA immer JA bedeutet und NICHT immer NEIN. Dass wir einen bestimmten Weg eingeschlagen haben, niemals zurückschauen und, dass das Schuldgefühl unsere Seele nicht zerstören kann.

Damit dies geschieht, Herr, beschütze unser Handeln, denn Handeln ist eine Art Gebet. Mache aus unserem täglichen Brot die beste Frucht von dem, was wir in uns tragen. Dass wir durch Arbeit und Handeln ein wenig von der Liebe teilen, die wir erhalten.

Herr schütze unsere Träume, denn der Traum ist eine Art Gebet. Gewähre uns, dass wir unabhängig von Alter und Umständen, eine heilige Flamme der Hoffnung und Ausdauer in unseren Herzen bewahren können.

Herr, gib uns Begeisterung, denn Begeisterung ist auch eine Art Gebet. Sie verbindet uns mit dem Himmel und der Erde, den Erwachsenen und den Kindern und sagt uns, dass der Wunsch wichtig ist und unsere Anstrengungen verdient. Sie bestätigt uns darin, dass alles möglich ist, sofern wir vollkommen eins mit dem sind, was wir tun.

Damit das geschehen kann, Herr, schütze uns, denn das Leben, die einzige Form ist, wie wir dein Wunder bezeugen können. Dass die Erde immer noch der Samen im Korn verwandelt und wir das Korn in Brot verwandeln. Und das ist nur dank der LIEBE möglich, daher lasse uns niemals alleine sein. Sei immer in der Nähe und lasse uns mit zweifelhaften Menschen zusammen sein, die zweifeln, handeln, träumen und sich begeistern können und die leben , als wäre jeder Tag deiner Herrlichkeit gewidmet.

Amen.«

[…]

Meine Inspiration und Empfehlung:

 

»Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt: Geschichten und Gedanken«.

Von Paulo Coelho, brasilianischer Schriftsteller und Dichter, Förderer der ›guten Magie‹.

 

Autor u. a. von »Der Alchemist«

»Handbuch des Kriegers des Lichts«

»Dämon und Fräulein Prym«

»Verrat«

 »Alef«, u.v.m.

ClubPremiere, 2006

Foto: Kinga Maria Schielke Buch abfotografiert