Flamenco, olé! Oder, wenn Frauen mit den Füßen aufstampfen...

In der täglichen Hektik zwischen Arbeit, Zuhause, Vorstellungsgesprächen in der Schule und Kindergartenfesten ist es schwer, einen Moment nur für sich selbst zu finden. Es gibt immer wichtigere Dinge, und die von uns werden in den Hintergrund gedrängt. Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, was uns glücklich und entspannt macht? Wie finden wir die Balance im Leben und finden wir sie überhaupt?

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es zur Erhaltung des Gleichgewichts im Leben hilfreich ist, eine Form der Aktivität zu finden, die unsere Individualität zum Ausdruck bringt, Freude und Spaß bereitet und in vielen Bereichen zu einem Handlungsimpuls werden kann. Dank ihnen schaffen wir Beziehungen und Freundschaften aufzubauen und zu gestalten, und gewinnen Abstand zu uns selbst und der uns umgebenden Realität.

Irgendwann habe ich nach einer Aktivität für mich selbst gesucht. Und da jede Frau gerne mal ›mit dem Fuß aufstampft‹, hat mich mein Fuß auf die Idee gebracht, Flamenco zu lernen… Diese Tanz-Idee reifte in mir ein paar Jahre lang. Es war eine schlummernde Leidenschaft, die im richtigen Moment zum Vorschein kam. Wie wir selbst wissen, kommt für alles die eine richtige Zeit. Heute weiß ich, dass es das Beste war, was ich bis dahin für mich getan habe!

Flamenco ist eine Geschichte über Freude, Liebe, aber auch über Verrat, Abschied und Trauer. Die Anfänge ließen mich sehr schnell erkennen, dass der scheinbar gewöhnliche Tanzunterricht sich als eine Schule der Überwindung der eigenen Grenzen und des Bewusstseins für den eigenen Körper entpuppen würde. Dieser Tanz erfordert eine Menge Geduld. Es ist eine der schwierigsten Tanzformen. Es zeichnet sich durch verschiedene Rhythmen und eine abwechslungsreiche Koordination der Bewegungen aus. Haben Sie sich jemals gefragt, wie es ist, dass ein Schlagzeuger so viele Dinge tun kann, während er gleichzeitig Schlagzeug spielt? Ähnlich ist es beim Flamenco. Es ist ein ziemlich schwieriger Tanz, er erfordert Regelmäßigkeit und viele Wiederholungen, dank

derer er auch die eigene Figur trainiert und formt. Je nach Choreografie und Stil nehmen Sie eine entsprechende Körperhaltung ein, durch die Sie kommunizieren und entsprechende Emotionen ausdrücken. Im Flamenco entfesselt man die Weiblichkeit, zeigt Anmut, Leichtigkeit und Grazie des weiblichen Körpers egal, ob man 50 oder 80 kg wiegt! Hier ist kein Platz für vulgäre Zurschaustellung von Sexualität, sondern für subtile Weiblichkeit, Verführung, Koketterie,

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Leidenschaft, aber auch für Selbstbewusstsein, Entschlossenheit und Stärke. Beim Flamenco geht es um das Erleben der Gegenwart im Hier und Jetzt. Beim Tanzen hören alle existenziellen Probleme auf zu existieren. Es ist eine Form der Kommunikation, die zum Lebenssinn, zur Inspiration und zum Wegweiser werden kann.

Ähnlich verhält es sich im Leben. Die richtige Einstellung im Alltag überträgt sich auf unsere Denkweise, die Wahrnehmung der Realität und die Bewältigung derselben. Amy Cuddy, eine amerikanische Psychologin, hat Untersuchungen durchgeführt, die belegen, dass Selbstvertrauen trainiert werden kann. Die Autorin beschreibt, wie die Körpersprache unsere Persönlichkeit prägt, unser Denken und Handeln beeinflusst. Verwenden wir sie, bedienen wir uns dieser! Verwandeln wir uns in einen positiven Denker, indem wir uns bewegen oder die richtige Körperhaltung einnehmen. Der Name dafür ist ›Körperausdehnung‹.

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Es gibt unzählige Möglichkeiten den Körper ›auszudehnen‹, doch es ist wichtig, dass man die richtige Technik für sich selbst findet. Wenn das nicht gelingt, dann entgeht einem die wunderbare Gelegenheit, diese Verankerung der Körperdehnung im gegenwärtigen Moment, zu erleben. Denn dabei erhöht sich die Effektivität unserer Leistungen. Während unsere Körpersprache die Wahrnehmung anderen Menschen beeinflusst, beeinflusst sie auch, wie wir uns selbst wahrnehmen und wie wir dieses Bild durch unser Verhalten, unsere Interaktionen und sogar unsere Physiologie verstärken.

 

Durch die Körperausdehnung beginnen wir, uns selbst in einem positiven Licht zu sehen und an ein positives Selbstkonzept zu glauben. Es macht auch den Kopf frei und schafft Raum für Kreativität, kognitive Ausdauer und abstraktes Denken. Zu viele von uns leiden unter einem überwältigenden Gefühl der persönlichen Ohnmacht. Wir haben die schreckliche Angewohnheit, uns gegenseitig Steine in den Weg zu legen, besonders in den unpassendsten Momenten.

Seien wir doch ehrlich: wann haben Sie das letzte Mal aufrecht vor einem Spiegel gestanden und neben ein paar Pfunden Übergewicht eine schöne, starke Frau gesehen? Eine Frau, die sich den Widrigkeiten stellen kann, die für ihr Glück kämpfen kann? Wahrscheinlich haben viele von uns mehr als einmal gesagt, dass ich selbst etwas für mich tun muss. Für viele von uns klangen diese Worte dann doch so ›laut‹, dass sie sofort in konkrete Handlungen umgesetzt wurden. Anderen bohrten sie noch lange Zeit Löcher in den Bauch. Und wahrscheinlich auch das haben wir schon oft gehört: ›…denke positiv und alles, wovon du träumst, wird wie von Zauberhand wahr werden‹. Nur von alleine wird nichts passieren, wenn wir nicht konkret handeln.

 

Mein kleiner unbemerkter Schritt in Richtung Flamenco endete leider viel zu früh, jedoch die Zeit hat gereicht um die Botschaft zu empfangen, darüber nachzudenken und es zu verinnerlichen …


Es lohnt sich, sich selbst einen kleinen Schubs zu geben, und ungeachtet der anfänglichen Schwierigkeiten weiterzumachen. Ob wir einen kleinen, für andere unbemerkten Schritt machen, oder einen ausdrucksstarken und ausgeprägten, er

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führt uns in die richtige Richtung, denn es ist UNSER Schritt, direkt aus der Tiefe unseres Wesens. Ist es nicht das, was wir gerade brauchen? Wann haben wir uns das letzte Mal so sehr für eine Sache begeistert? Wann wurde unsere Aufmerksamkeit auf das gelenkt, was uns glücklich macht und einen EnergieTritt braucht ?

Dann brauchen wir nur:

Erstens - aufstehen. Zweitens -  aktiv zu werden.

 

Olé!

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