Die Wahrheit ist oft besser, als man denkt ...
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Einmal, in einem Moment der Glückseligkeit, kam mir der Gedanke, was wäre, wenn es doch möglich wäre, den momentan erreichten Stand der eigenen Reife, des Wissens und eigener Entwicklung zu behalten, aber seinen durch die Dehnungsphasen der gebärfreudigen Zeiten, und durch die natürliche Erdanziehung geschundenen Körper, um, sagen wir mal ... Zwanzig Jahre, zurückzudrehen?

Der Gedanke gefiel mir gut, und ich teilte es anderen mit. Die Begeisterung klingt anders, und ich erhielt sehr unterschiedliche Meinungen.

Dass es geschlechtsbezogene Meinungen gab, überraschte mich nicht wirklich. Während die Herren in erster Linie an die Anstrengungen ihres Aufstiegs, auf der Treppe zu beruflichen Karrieretempel dachten, dachten die Damen eher an die Erziehungsjahre und den mühseligen Abnabelungsprozess, sowie der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen. Die Körper der Herren wirkten jetzt durchtrainierter, während sich der Körper mancher Dame, gern schon in Falten schlafen legte. Zugegebener Maßen – eine grobe Ungerechtigkeit. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit – keiner wollte die zwanzig Jahre erneut erleben.

»…Nein, nicht noch mal alles von vorn ... «, gaben sie als Antwort. Nur die ›guten Zeiten‹ wollten sie haben, nur die erfolgreichen Zeiten, nur die Glücksmomente.

Es ist menschlich so zu denken, denn jeder sehnt sich nach friedvollem Miteinander, nach gelungenen Vorhaben, erfolgreich umgesetzten Plänen ... Es entwickelte sich eine intensive und interessante Diskussion ...

So mancher denkt auch an ›verpasste Gelegenheiten‹, nach dem Motto:

»Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben ... «

Aber ist das wirklich so? Ich bezweifle das, denn jede Erfahrung in jedem Augenblick unseres Lebens auf diesem Planeten, ist essenziell und existenziell, und für jeden von uns wichtig. Alles was uns in jeglicher Form begegnet – wir es erfahren – bringt uns ein Schritt weiter, auf diesem Weg zu unserer besten Version von uns selbst, unseres Seins. Mit jedem Schritt sind wir wissender und reifer. Wären uns manche Menschen und Ereignisse, Chancen und Aufgaben, in heutiger Qualität damals begegnet, würden wir sie als solche nicht erkennen, oder würden wir sie nicht so nutzen können, wie sie uns am besten nützten, könnten. Wir wären dafür nicht reif gewesen.

Dieser Weg von jedem von uns, ist so einzigartig und individuell wie kein anderer. Und er ist perfekt. Es sieht fast so aus, als wenn alles einem genialen Plan folgen würde, doch erkennen tun wir das erst in einer Rückschau. Dabei können wir doch so stolz sein, auf ALLES, was uns begegnete, auf ALLES, was wir erlebten und auf ALLES, in das wir uns erfahren haben. Alles war notwendig und doch auf jeden Einzelnen sehr passend abgestimmt. Darin sehe ich eine natürliche Genialität, fast schon eine Perfektion ... Das hat uns doch gestaltet. Und wir haben es nicht nur erlebt, sondern auch überlebt.

»Worauf würdest du denn verzichten wollen, wenn du es könntest? «, fragte ich dann neugierig – auch mich selbst. Ich persönlich finde es nicht, dass die Perfektion selbst, erstrebenswert ist. Was kommt danach? Leere? Ist Perfektion nicht ein ›Ende‹ der Entwicklung, des Fortschritts? Hier macht für mich der Spruch:

›der Weg ist das Ziel‹

den meisten tiefgründigen Sinn. 

Worauf würde ich verzichten wollen? Schwer zu sagen, ob überhaupt, denn alles hat etwas anderes bedingt. Dadurch ist mein Lebensquillt, mein ›Flickerlteppich‹ so bunt und begeistert durch unregelmäßige Formen, Farben, Muster und ›Stoffqualität‹, aus dem es entstanden ist. Einiges ist verblasst und ausgedünnt, anderes stark abgenutzt. Doch überzeugt es bis heute mit seiner Stabilität und Widerstandskraft. So Manches dominiert mehr das Gesamtbild. Alles miteinander verwoben und in seiner natürlichen Unregelmäßigkeit, bilden den Quillt meines – jedes – Lebens. Jegliches heraustrennen, ersetzen, würde die Authentizität des Kunstwerkes zerstören, unseren Werdegang verleugnen

und dadurch uns selbst. Wie eine kosmetische OP, die trotz guter Absicht, vieles unwiederbringlich verändert, sogar die Identität unkenntlich macht. Trotzdem, manches wünschte ich mir heller, stabiler, intensiver, farbenfroher, damit sie die Grau- bis Schwarztöne überdecken könnten. Aber auch das hat mich geprägt, und gehört zu meinem Leben. So treten die anderen Farben desto mehr hervor, werden mehr und intensiver sichtbar.

Wir machen und sammeln Erfahrungen in unserem irdischen Leben. Wir teilen alles in ›gut und böse‹ ein. Wir bewerten sehr schnell und neigen dazu alles in vorgefertigte Schubladen zu verstauen. Ich sehe das inzwischen anders. Alle Erfahrungen sind wertvoll, denn ich gewinne immer dabei. Unterscheiden tue ich sie in ›dienlich‹ und ›nicht dienlich‹, dadurch helfen sie mir jedes Mal, wie ein Kompass, den Weg, zu meiner besten Version meines Seins, zu finden!

Jede Lachfalte ist schwer erarbeitet, jedes Hüftgold erzählt vom Kampf gegen den Frust, jedes erschlaffte Bindegewebe, von unserer Opferbereitschaft und die Augenringe von fehlender Nachtruhe aus Sorge um unsere Lieben und von dem täglichen Existenz-Sicherungs-Kampf in unserem Leben. Wir sind Eltern, Ehepartner, Geliebte, Geschwister, Kinder, Freunde, Experten auf vielen Lebensgebieten. Sind Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Selbstständige, Gläubige und anders denkende … Alle sind gesegnet in allen ihren Rollen und Identitäten.

 

Machen wir für alle das Allerbeste daraus! Nichts ist unmöglich...

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