Perspektive durch das Schlüsselloch...
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Das dreidimensionale Leben

 

Die amerikanische Schriftstellerin Diane Ackermann äußerte sich einmal über ihr Leben in folgender Weise:

» Ich will nicht am Ende meines Lebens feststellen, dass ich ein langes Leben gelebt habe.

Ich will auch die Breite und die Tiefe des Lebens gelebt haben …«

 

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, wünscht man ihm und seiner Familie vor allem Glück und ein langes Leben. In vielen Kulturen wünscht man auch Erwachsenen immer wieder Glück und ein langes Leben. Aber ist ein langes Leben gleichbedeutend mit einem er-Füllten und Wert- und Sinn-vollem Leben? Ist das nur eine Sache der Perspektive des Betrachters? Mag sein, dass in den vielen unterschiedlichen Kulturen die Wert- und Sinnesvorstellung auch unterschiedlichen Maßstäben unterworfen ist. Und oft wird auch dem ›erfüllten Leben‹ unterschiedliche Bedeutung beigemessen …

 

Auf einer Abschiedsfeier hörte ich den Redner lobend sagen, dass der Verschiedene ›zwar jung gestorben, dafür aber in Fülle gelebt hat‹. Ich habe mich gefragt, welche Fülle wohl gemeint war? Die materielle, oder die Fülle der Erfahrungen, und zwar auch solcher, die leider dann sein rasches Ende herbeigeführt haben …

Der Volksmund sagt, etwas salopp, zu dem Thema ›Leben und Sterben‹  Folgendes:

›Er starb mit 40, wurde aber mit 80 begraben …‹

Wahrscheinlich hörte jemand mit 40 auf sich weiter zu entwickeln, existierte aber, bis er starb. Waren die restlichen 40 Jahre wirklich gelebtes Leben? … Ich lasse das so stehen.

 

Jeder wünscht sich ein glückliches, langes, gehaltvolles und inhaltreiches Leben. Die Fülle ist für mich die Breite des Lebens, das ein mit Güte, Herz und göttlicher, schöpferischer Energie gefülltes Leben bedeutet. Die Materie gehört sicherlich auch dazu.

Doch die Tiefe…, das sind für mich die vielen Erfahrungen auf dem spirituellen Weg und die Entwicklung des Bewusstseins. Das ist der wahre Reichtum und der Sinn des Lebens.

 

Insofern ist es egal, wie lange jemand lebt. Es geht darum diese Lebenszeit mit Leben zu füllen. Mit allem, was das Leben zu leben bedeutet – mit Liebe und Entwicklung in allen ihren Aspekten, und auf allen Ebenen! Jeder Tag ist wichtig, weil ich jeden Tag aufs Neue darüber entscheide, wie ich mein Leben, in der Breite und Tiefe leben will. Ich kreiere es selbst. Auch, wenn der heutige Tag der Letzte wäre, was wir selten vorher wissen.

 

Das Leben ist ein Sammelsurium an Ereignissen, Erfahrungen, Situationen, Begegnungen, und alles hat seine Berechtigung, Bedeutung und Qualität. Es gibt darunter große und kleinere Ereignisse. Doch erst die vielen alltäglichen, kleinen Ereignisse, wie die täglichen Entscheidungen, Erlebnisse und Reaktionen, verdichten alles zu einem kompakten Ganzen.

Ich möchte das etwas plastischer, anschaulicher verdeutlichen. Es passiert genauso, wie in einem Glasbehälter mit vielen Golf-, Tischtennis- und Tennisbällen, wo die Zwischenräume mit vielen kleinen Sandkörner gefüllt, werden, um den gesamten Inhalt zu verdichten.  Es wird dadurch zu einem kompakten einheitlichen Ganzen in der Länge, Breite und Tiefe. Eine runde Sache, die Leben heißt..

 

Seien wir nicht stolz darauf lange zu leben, sondern darauf, dass, bzw. wie wir das Leben leben, und zwar dreidimensional – in der Länge, Breite und Tiefe …

Carpe diem …