Fama – hast nicht gehört?

Das Gerücht hat überall seine Augen, Ohren und schläft nie. Es ist überall zuhause, und alles, was es sieht, oder hört, gibt es sofort weiter.

Das ist Fama – die römische Göttin eines flüchtigen Ruhms und des Gerüchts. Und sie hat immer mehr Anhänger. Ich frage mich: »Wie entsteht es, und warum schmeckt es uns so? «

Ich kenne niemanden, der es zugibt eine Klatschtante oder Tratsche zu sein. Aber auch niemanden, der nicht gerne mal tratscht. Über Anverwandte zu tratschen tun sowohl Frauen, wie Männer gern. Es gibt einen kleinen Unterschied. Während die Frauen ehrlich zugeben zu einem Kaffeeklatsch zu gehen, deklarieren die Herren der Schöpfung dieses Ereignis als Geschäftstreffen, oder als ›Meinungsaustausch‹. Laut einer Untersuchung britischer Psychologen, sind 70% der Gesprächsinhalte solcher Treffen, reiner Austausch von Gerüchten und Kommentaren, sowie Klatsch und Tratsch. Alle wissen, dass es nicht in Ordnung ist, trotzdem kann sich kaum jemand zurückhalten.

»Ich kann Tratsch und Klatsch nicht ausstehen, aber was soll man sonst damit machen? «, sagte mal eine bekannte Sängerin – mit einem Lachenden und einem weinenden Auge.

Theoretisch kann man es für sich behalten, doch das widerspricht unserer Natur …

Die Neugier ist die menschliche Urkraft, die uns treibt. Denn, ohne das aktive Interesse am Geschehen in unserem Umfeld, würden wir untergehen. Wir müssen wissen, ob uns eine Gefahr droht, oder nicht. Sogar in der Tierwelt ist die Neugier Garant des Überlebens. Diese Naturgabe nutzen wir zum Informationsaustausch. Dabei pflegen wir unsere gesellschaftlichen und sozialen Kontakte. Interessanterweise, behauptet eine britische Psychologin der Uni London, dass das Klatschen sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung hat. Nach ihren Untersuchungen haben Personen, die klatschen und mit anderen ›News‹ austauschen, ein besseres Wohlbefinden und gelten als offener und spontaner. Es ist trotzdem nicht auf Rezept zu bekommen, wird von Ärzten nicht empfohlen. Es ist auch kein Freifahrtschein oder eine Entschuldigung, denn jeder entscheidet selber.

Dass Frauen und Männer unterschiedlich miteinander kommunizieren, ist inzwischen allgemein bekannt. Wir Frauen plaudern gern. Dabei konzentrieren wir uns auf unsere eigenen alltäglichen Probleme, aber mit Vorliebe doch eher auf die der anderen.

 

Wenn also Frau A der Frau B erzählt, dass sie gemeinsame Bekannte – die Frau Meier und den Herrn Müller – am Abend im Geschäft traf, ist das nichts Schlimmes. Es ist nur eine beiläufige Info, um das Gespräch am Laufen zu halten. Doch es kann auch der sprichwörtliche Wahrheitssamen sein, der in jedem Gerücht steckt.

Es hängt von der Frau B ab, was daraus erwächst. Es gibt keinen besseren Wuchs-Beschleuniger, als den Spruch:

›Aber behalte es bitte für dich…‹.

Während die Männer sich meistens auf die Informationen ›aus nicht offizieller Quelle‹, oder ›aus vertrauenswürdiger Quelle‹ beziehen, bedeutet das so viel, dass sie es vom Stammtisch Kumpel haben. Frauen gehen damit viel offener um. Sie geben es zu über eine Kollegin gerade zu sprechen, aber ›dürfen nicht sagen von welcher genau…‹.

Na ja, wenn wir aber schon über dieses ›geheime Wissen‹ verfügen, reicht es uns nicht, dieses banal weiter zu geben. Es schreit direkt nach einer hübschen bunten Verpackung, oder Deko. Wenn Frau B zum Beispiel, die Info über den Meier/Müller-Treff, den anderen so nebenbei weiter geben würde, so wäre das ohne Bedeutung. Doch wenn sie das flüsternd weiter geben würde, mit der Bemerkung: » die Meier trifft sich mit dem Müller, aber bitte sage es niemandem…«, dann erzielt das einen ganz anderen Effekt! Der weitere schicksalhafte Verlauf dieser sensationellen Information, hängt jetzt davon ab, ob bei dem Geflüster vielleicht eine Person C anwesend war, die Müllers, wie Meiers nicht verknusen kann…

Die meisten Gerüchte sind Dinge, über die man laut nicht spricht – Sex und Geld. Und wenn sie die VIPs betreffen, sind sie mit Eiltempo in allen Munde und Ohren.

Das Gerücht offenbart unsere inneren Spannungen, Ängste, Mangel an Sicherheit und Toleranz. Es bereinigt im gewissen Sinne unsere psychischen Verspannungen.

 

Max-Planck-Institut untersuchte seiner Zeit, die Macht der Gerüchte und stellte fest, dass sie stärker ist, als die Macht der Wahrheit. Studenten, die an einem Experiment teilnahmen, haben nach der Enthüllung der Wahrheit, trotzdem dem Gerücht weiterhin mehr zugesprochen. Interessant … Diese Kraft bewirkt, dass ein belangloser Tratsch und Klatsch, mit Leichtigkeit zu einer gefährlichen Waffe mutiert. Diese ›Methode‹, die in der Politik bestens funktioniert, funktioniert genauso zuverlässig in Bezug auf den Bekannten-, oder Kollegenkreis. Besonders, wenn sie keine Sympathieträger sind.

In der schlimmsten Variante als Mobbing bekannt. Wirkungsvoll um jemandem eins auszuwischen, ›alte Rechnungen‹ zu begleichen, den Ruf und das Wohlbefinden zu ruinieren. Es ist eine sichere Methode, weil man sich, hinter der Anonymität der Masse der Mitwissenden, verstecken kann und der wahre ›Chef-Koch in der Gerüchteküche‹, nicht zu ermitteln ist.

Wenn jetzt die Person C noch nebenbei Öl ins Feuer gießt, indem sie behauptet, dass da schon mehr ist…, als ›nur‹ die Treffen in der Öffentlichkeit, dann wird es in Kürze die halbe Stadt, hinter der vorgehaltenen Hand, wissen, dass sich die Meiers und die Müllers scheiden lassen, oder sogar schon geschieden sind! Die moderne Variante der ›stillen Post‹ für Erwachsenen.

Zum Glück braucht jeder Klatsch, Tratsch, oder Gerücht, ständigen Nachschub um gefüttert zu werden, ansonsten verliert es an Kraft – genauso schnell, wie es wächst.

Wie gehen die Meiers und Müllers damit um? Nun, die beste Methode ist abzuwarten und das Gerücht eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Drüber stehen. Kostet auch Nerven. Doch wehe…, wenn sie ihrerseits, eine Revanche wollen…

 

…rien ne va plus…