Die große Kraft der Vergebung  Teil 1

 

 

 

Eines Tages wandte sich eine junge Frau an mich und bat mich um ein Gespräch. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Coach für Persönlichkeitsentwicklung und als spiritueller Lebensberater.

»Können sie Träume und ihre Botschaften deuten? «, fragte sie mich am Telefon: 

»ich brauche ihre Hilfe …«

Träume können die ganze Wahrheit über einen erzählen, was man sich selbst gegenüber nicht zugeben will, und wovon man selbst nicht die geringste Ahnung hat...

 

Die junge Frau erzählte über eine, seit den Kindertagen währende und empfundene, Ungleichbehandlung durch ihre Eltern. Es betraf sie und ihre jüngere Schwester.

 

»Wann habe ich gemerkt, dass meine Eltern uns nicht mit ihrer Schwester gleich behandelt haben? Wahrscheinlich, als ich mein Traumstudium nicht erreichte. Ich hatte die Gelegenheit, privat zu studieren, aber ich hörte, dass sie nicht für mich bezahlen würden. Ein Jahr später musste meine Schwester nicht einmal Aufnahmeprüfungen ablegen. Meine Eltern haben sofort für ihre Privatschule bezahlt…«.

Sie beklagte weiter, dass ihrer Schwester die Eltern alle Wege geebnet haben, während sie sich alles selbst mühsam erarbeiten musste. Sie sah die Schwester selber als hübscher, charmanter, charismatischer und protegierter. Alles fiel ihr in den Schoss, und wenn nicht von ›oben‹, dann wurde es durch die Eltern ermöglicht. Das Ganze übertrug sich sogar auf den eigenen Nachwuchs der Schwester. Die Enkelkinder wurden unterschiedlich behandelt. Die Mutter griff der Klientin nur widerwillig unter die Arme. Anders als die ständigen Einsätze der Mutter bei der Schwester.

»In all diesen Jahren war ich verbittert und traurig gegenüber meinen Eltern. Ich merkte, dass ich auf meine Schwester eifersüchtig war. Schließlich war der Kelch übergelaufen! Eines Tages entschied ich, dass ich meinen Fuß nicht mehr in dieses Familienhaus setzen werde… «, beklagte sie am Telefon.

Es folgten Jahre der ›Funkstille‹. In dieser Zeit konnte die junge Frau nur auf sich selbst zählen. Es war zugleich eine Zeit ihrer schmerzhaftesten Entwicklung. Der Dorn in ihrem Herzen blieb aber stecken. Sie erzählte, wie sie auf der Suche nach Erleichterung, an vielen Meditationen und Workshops zur persönlichen Entwicklung teilnahm. Langsam reiften in ihr die Einsicht und der Wunsch, für eigenes Wohl der Familie aus Liebe zu vergeben… Es sollte sie von der Trauer frei machen und von der Eifersucht, wie auch von dem Gefühl der Geringschätzung ihr gegenüber, befreien. Sie war so weit, griff zum Telefon und rief ihre Eltern und ihre Schwester an, um sich zu versöhnen. Je weniger sie an ihre Empfindung des Unrechts dachte, umso näher kamen sich alle. Doch ihr Körper sprach eine andere Sprache. Starke Schmerzen in der Brust zwangen sie fast in die Knie. Aber die Ärzte konnten nichts finden…

»Ich hatte ein paar Wochen lang Probleme, bis ich eines Abends einen seltsamen Traum hatte. Ich wartete an der Bushaltestelle auf den letzten Bus zu meiner Familie, nach Hause. Neben mir stand eine ältere Frau mit einem Weidenkorb. In diesem Korb hatte sie ... ein Kind, das süß schlief. Dann sprang ein Wolf aus dem Gebüsch. Er entriss das Kind und schluckte es so schnell, dass ich nicht einmal Zeit hatte zu reagieren! Ich wachte schreiend mitten in der Nacht auf und schlief erst am Morgen ein. Der Traum war so ... unwirklich. Aber es gab mir keine Ruhe. Vielleicht hat es eine sinnvolle tiefere Bedeutung? «

Ich deutete und erklärte ihr den Traum:

»Eine ältere Frau entspricht einem spirituellen Führer, der Ihnen etwas Wichtiges über sie erzählen möchte.

Der letzte Bus bedeutet, dass es die letzte Chance ist, etwas zu ändern. Aber um dies zu tun, muss man in die Vergangenheit zurückkehren und sich dieser stellen.

Das Kind bedeutet das neue Leben, neues ICH. Doch ein reines und Aufrichtiges Neues ICH hat keine Chance, solange das Alte noch in ihr ist und das Gute im Keim zerstört werden kann.

Der Wolf entspricht den niedrigen Schwingungen und schlechten Emotionen. «

Sie hat verstanden, dass sie sich nicht wirklich mit dem Herzen zu der Vergebung entschieden hat. Sie wollte glauben, dass sie sich zum Besseren gewandelt habe und, dass sie die Eifersucht verzeihen und besiegen konnte. Aber sie hat sich selbst betrogen.

 

»Ich sagte zwar: ›Ich vergebe‹, aber ich fühlte immer noch das Mitleid, das ich ins Unterbewusstsein verdrängte. Doch ich fühlte weiterhin diesen Schmerz des Unrechts in der Brust. Jetzt weiß ich, dass mir noch eine lange und intensive Arbeit bevorsteht, um mich wirklich von der Vergangenheit abzutrennen und schlechte Gefühle loszuwerden. Ich fühle mich auf dem richtigen Weg. «

Vergebung ist das universelle Recht aller Religionen und die Weisheit vieler alter Kulturen. Trotzdem ist sie mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Es ist schade, denn durch die Förderung der negativen Emotionen, wird das Leben vergiftet und die eigene Gesundheit ruiniert. Wenn man lernt, wirklich zu vergeben, ändert sich das eigene Schicksal, wie von Zauberhand.

Nun wollte meine Klientin jeglichen Zorn und Hass in gute Energie verwandeln. Erst dann wird sie erfolgreich sein. Ich gebe zu, ich hatte Angst, sie würde meine Methoden auslachen, aber sie war auf dem richtigen Weg. Nur eine radikale, aber liebevolle Vergebung, ist die Methode sich selbst dabei zu heilen. Dadurch ändert sie ihre Perspektive und damit die Empfindung für die Realität.

Beim dritten Mal werde ich euch die kalte Schulter zeigen …

Colin Tipping, amerikanischer Therapeut, Schöpfer der Methode der radikalen Vergebung, schreibt darüber in seinen Büchern, veranstaltet und spricht darüber in Kursen und Seminaren, auf der ganzen Welt. Tipping vertritt die Meinung, dass wenn wir diese Idee der radikalen Vergebung, zumindest teilweise, akzeptieren könnten, dann werden wir erkennen, dass wir nichts vergeben müssen, weil alles, was geschieht, nur zu unserem eigenen Besten geschieht. In diesem Moment verschwinden automatisch die Opfermentalität, Angst, Paranoia und Schuld. Und die Energie, die wir bisher verloren haben, um die negativen Erfahrungen zu unterdrücken, wird damit frei gesetzt. Diese sehr schädliche Energie kann einem die Gesundheit ruinieren und das Leben vergiften.

Tipping erzählt, zum besseren Verständnis, gern folgende Geschichte:

Die Navajo-Indianer verstehen die Notwendigkeit, über ihr Unrecht zu reden. Wenn jemand seine Beschwerden mit dem Rest des Stammes teilen möchte, versammelt sich jeder, um ihm verständnisvoll und mitleidig zuzuhören. Er kann seine Geschichte jedoch nur dreimal erzählen. Dann wenden die Stammesmitglieder ihm den Rücken zu und sagen dasselbe:

»Genug, genug! Wir werden es nicht mehr hören. Die schlechten Emotionen werden sonst an Kraft gewinnen und sich in destruktive Kraft verwandeln. Sie wurden besprochen und angerufen. Jetzt musst du sie loswerden. «

Es gibt noch eine weitere wirkungsvolle Methode, die man selbst anwenden kann:

Die drei Briefe:

Wenn man sich wirklich über jemanden aufregt, der einen verletzt hat, kann man mit dieser Methode die Situation und sich selbst schnell und sehr effektiv heilen.

1. Schreibe am ersten Tag den ersten Brief und ›schreie‹ deine ganze Wut heraus. Stoppe nicht die Emotionen. Schreibe solange, bis dir die Wörter ausgehen. Zensiere sie nicht. Sie dürfen auch vulgär und anstößig sein. Schrei in ein Kissen, wirf alles weg was wehtut und schmerzt. (Schicke diesen Brief niemals ab!)

2. Schreibe am nächsten Tag den zweiten Brief. Er sollte weniger wütend und rachsüchtig sein. Vielleicht kannst du etwas Verständnis oder Vergebung erwähnen. Versuche es, zwinge dich aber nicht dazu. (Schicke auch diesen Brief nicht.)

3. Schreibe den dritten Brief am dritten Tag. Versuche die gesamte Situation zu betrachten, basierend auf der Idee der radikalen Vergebung. Du kannst schreiben, dass du vergibst, auch wenn du es noch nicht fühlst. Du möchtest, ehrlich gesagt, frei von dem Schmerz Opfer zu sein, sein. (Schicke diesen Brief auch nicht, es ist nicht so, dass der Empfänger ihn erhalten soll. Es ist wichtig wie sich deine Energie anfängt zu verändern).

 

Du kannst die Briefe behalten, um sich später daran zu erinnern, wie du diese Methode gelernt hast und welche Ergebnisse sie dir gebracht hat. Es ist jedoch am besten, die Briefe zu verbrennen. Feuer hat die Macht, das ›Böse zum Guten‹ zu transformieren. Wenn du diese Worte in Form von Rauch in der Luft schweben siehst, passiert etwas sehr Wichtiges. Das Feuer hat durch die Kraft der Transformation deine negativen Emotionen in wahre Lebensenergie gewandelt.

 

Und jetzt kannst du zu dir selbst laut sagen: ›… das gehört nicht mehr in mein Leben‹

Fortsetzung Teil 2