»Liebe hat mehr als einen Namen ...«

[…]

KAPITEL 1

 

Ein kleines Mädchen wollte von ihrer Mutter wissen: ›was ist eigentlich eine Seele?‹ Diese einfache Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Und so überlegte die Mutter:

 

›wie erkläre ich meinem Kind, was eine Seele ist und warum sie da ist? ‹

 

Sie lachte verlegen, weil sie merkte, dass sie etwas ratlos da stand. Dieses kleine Wesen mit den großen und neugierigen Augen, war voller natürlichen Vertrauens in die alles-immer-wissende Mutter.

»Die Seele ist ein Teil von uns, das uns Leben mit Liebe ermöglicht und durch Gefühle mit uns spricht. «

 

»Wieso spricht sie nicht normal mit uns? «, bohrte das Kind weiter.

 

»Dazu musst sie sich erst mit dem Körper verständigen… und dazu verhilft ihr der Verstand. Der befehlt dann dem Körper zu sprechen. «

 

»Das ist viel zu kompliziert … Da würde ich auch nicht sprechen wollen.«

 

Die kleine Prinzessin war leicht verärgert. Doch die Mutter hatte den Eindruck, dass hinter dem kleinen Pony und Zornesfältchen etwas angefangen hat zu arbeiten …

 

»… Aber ich höre sie trotzdem«, murmelte sie trotzig.

 

Das Gesicht der Mutter war ein einziges Fragezeichen: ›Was passiert da ohne mein Wissen? ‹, schoss ihr durch den Kopf. ›Braucht mein Kind Hilfe, oder ich? Wie kann ein kleines Kind mit einer noch kleineren Frage, mich als Mutter so infrage stellen? ‹

 

»Wie meinst du das, du hörst sie?«, fragte sie leise neugierig und zwanghaft entspannt.

 

»…na so, eben… wie ich dich höre… nur nicht so laut…«, sagte die Kleine mit ruhiger und leiser Stimme. Sie schien bemerkt zu haben, dass ihre Mutter – trotz aller Bemühungen – doch leicht panisch wirkte.

 

Die Mutter entspannte sich und in Gedanken schickte sie ein leises Stoßgebet gen Himmel.

 

»Was … sagt sie denn?«, fragte sie neugierig und suchte nach der kleinen Hand um es zu küssen.

 

Beide saßen sie auf dem Teppich im Kinderzimmer der kleinen Prinzessin. Die Mutter zog den zierlichen kleinen Körper des Mädchens zu sich auf den Schoss und umarmte es. Es ließ es gern geschehen. Es machte ihm ein behagliches Vergnügen in den Armen der Mutter, geborgen und leicht wippend zu liegen. Die Mutter genoss die Nähe des Kindes genauso wie die Stille, die nur durch die eigenen Gedanken gestört wurde. Beide hatten ihre Augen zu. Während die kleine Prinzessin dem Flüstern ihrer Seele zuhörte, dachte ihre Mutter an ihre Begegnungen mit der eigenen Seele …

 

KAPITEL 2

 

Im Zimmer war es kalt geworden.

Der Ofen war schon lange ausgegangen und der Großvater hatte diesmal etwas länger geschlafen, wodurch es keinen Nachschub gab. Draußen war noch sehr dunkel und klirrend kalt. Der Mond hatte vor lauter Kälte einen rosa Schal umgelegt und die Sterne schienen sogar vor Kälte ständig zu zittern.

Klara blinzelte mit den Augen. Sie lag so warm eingehüllt und fast erdrückt von dem monströsen Federbett ihrer Großeltern. Sie liebte diese Wintertage bei ihren Großeltern und ganz besonders dieses Federbett. Es machte sie fast ohnmächtig, durch seine Schwere und geschichtsträchtige Bedeutung, mindestens der letzten zwei Generationen. Sie fühlte sich privilegiert in diesem Bett zu schlafen.

 

Diese Gästestube war nur für die Gäste da und wirkte wie ein Museum. Sie war mit allen möglichen Erinnerungsstücken, Fotos, Gemälden und dem einzigen Klavier, ausgeschmückt. Langer, eleganter Tisch mit vielen Stühlen stand in der Mitte – immer bereit die Gäste zu bewirten. Unmengen von Tischdeckchen und Porzellanfiguren waren für Klara genauso geheimnisvoll wie ihr Lieblingsstück – eine Porzellantasse in Form eines Kinderkopfes mit Augen und Mund. Ein Mitbringsel ihrer Tante und zärtlich gehütete Erinnerung. Sie durfte daraus trinken…

Nur die Nasenspitze schaute raus aus dem Bett. Klara horchte, ob es Anzeichen gab dafür, dass das Haus schon aufgewacht ist, aber alles schlief noch fest. Sie hörte nur das Ticken der Standuhr, die sie wieder in den Schlaf wiegte….

 

Klapperndes Geschirr und das Geräusch des Schließens dieser schwer gängigen Metallklappe am Küchenherd, waren das Zeichen dafür, dass die Großeltern schon emsig waren. Klara sprang auf, zog das zu große Hemd über ihre Beine, und schlüpfte in die kalten Hausschuhe. Draußen war immer noch dunkel, aber Hundegebell und krähende Hähne begrüßten im Wettstreit den Wintermorgen. Leise öffnete sie ihre Tür und auf Zehenspitzen sprang sie über den kalten Flur. Großmutter saß auf einem niedrigen Schemel vor dem Küchenherd und bewachte den angesetzten Milchtopf vor dem Überkochen. Nur das gelegentlich laute Knistern der Holzspalten im Feuer unterbrach die Stille. Eine Glühbirne war die einzige Lichtquelle in der Küche. Hier war es mollig warm. Klara schmiegte sich an die Großmutter und legte ihr die Hände um den Hals.

 

»Mein Sonnenschein ist aufgestanden!!« Lachend drückte sie das Kind und küsste es auf die Stirn.

»Gleich gibt es warmen Kakao aus deiner Lieblingstasse«, verkündete sie freudig, »…und warmes Wasser gibt es auch schon, schau mal…«

 

Sie nahm den Deckel des Wasserbehälters des Herdes hoch.

Klara suchte sich einen Platz an dem großen runden Küchentisch. Sie schaute gespannt der Großmutter bei der Zubereitung des Getränkes zu. Aufmerksam verfolgte sie die Reihenfolge der Prozedur. Endlich.

 

»Hier mein Schatz! Lasse es dir schmecken, mein Engelchen. Ich segne dich…«

Ihre Stimme klang zerbrechlich und hoch, aber Klara kannte sie nur so.

 

»Was heißt das, ´ich segne dich´, Omi?«

Klara rührte den Kakao in der Lieblingstasse, um noch mehr Schaum zu erzeugen, den sie so mochte.

 

»Das heißt, dass ich deiner Seele und dir meine schönste Liebes- und Herzenswärme und Kraft wünsche«!

 

»Meiner Seele?«, fragte Klara verwundert, »Warum?«

 

Sie nahm vorsichtig pustend ein paar Schlucke ihres Getränks, um sich nicht zu verbrennen. Zu verführerisch waren der Duft und der Schaum auf das sie so lange gewartet hat. Die Großmutter schaute sie an und ihre Augen zeigten ihre ganze Freude über das Kind. Sie wartete ab, bis das Kind seine Aufmerksamkeit gänzlich ihren Worten gab.

 

»Die Seele ist das Kostbarste was uns unser Schöpfer, unser lieber Gott, gegeben hat. Jeder von uns bekam, während er geboren wurde, eine Seele von ihm. Sie ist das Leben und die Liebe damit jeder leben und lieben kann, so wunderbar wie nur Gott uns alle lieben kann… Er hat eine sooo große Liebe zu geben. Sie reicht für uns alle. Und die Seele soll uns begleiten, um uns zu zeigen, wie schön es ist zu lieben und geliebt zu sein. Sie hilft uns alles mit den Augen der Liebe, zu sehen. Leider kann sie nur leise flüstern, deshalb wird sie so oft überhört. Aber wenn man ganz leise bei sich ist, so wie du in unserer Gästestube, dann kannst du sie vielleicht auch mal hören…«

 

Sie streichelte das Kind.

Klara setzte die Tasse an und schloss ihre Augen, um sich dem Genuss gänzlich hinzugeben. Nur das Knistern der Holzspalten im Feuer war zu hören. Dann setzte sie die Tasse ab und öffnete die Augen. Die Großmutter lachte laut und ihr Lachen steckte Klara an. Sie lachten alle beide.

 

»Warum lachst du Oma?«

 

»Weil du jetzt wie dein Großvater aussiehst, mit deinem Kakao-Bart!!«, erwiderte sie lachend.

Sie nahm ihre Hand und wischte vorsichtig über ihren kleinen Mund.

 

»Kann meine Seele auch lachen?«, fragte Klara neugierig.

 

»Aber JA!«, antwortete die Großmutter und sie beide lachten wieder zusammen, »Das war ein so schönes Gebet«

 

»Das war ein Gebet?«, fragte Klara verwundert.

 

»Aber ja, jedes Gespräch über Gott ist ein Gebet. Du kannst auch allein dem lieben Gott alles erzählen, was dich beschäftigt. Er hört dir immer zu und freut sich darüber, dass deine Seele das zu ihm trägt…«

Sie freute sich sichtlich über so viel Interesse des Kindes.

 

»Und ich dachte, Gott wohnt nur in der Kirche und nur dort beten alle. Und woher weißt du, dass er dich liebt? Du siehst ihn ja nicht und er dich vielleicht auch nicht?« Klara war neugierig, und wollte Antworten.

 

»Sieh mal, wenn du nicht hier bist, glaubst du, ich liebe dich nicht mehr? Was wäre das für eine Liebe und eine Großmutter? Siehst du, genauso wie du mich liebst meine Sonne, auch wenn du mich nicht siehst. Weil wir uns in unseren Herzen haben. So wie unseren Gott und er uns…«

Sie nahm das Kind auf ihren Schoß und legte ihren großen wärmenden Strickschal um sie. Nur die kleinen Füße baumelten lustig hin und her….

 

»Ich habe dich sooo lieb, Omi… Und dich, lieber Gott auch… Ich sehe dich!!!«

[…]

 

Aus dem Manuskript: Kinga Maria Schielke  »Liebe hat mehr als einen Namen...« Copyright © 2018

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